Der Keller wird beim Raumklima gern vergessen – dabei ist er der Raum, in dem Feuchtigkeit am schnellsten zum Problem wird. Kühle Wände, wenig Luftbewegung und im Sommer warme, feuchte Außenluft: Das ist die perfekte Mischung für Kondenswasser und Schimmel. Die gute Nachricht ist, dass du die Luftfeuchtigkeit im Keller mit einem Hygrometer und dem richtigen Lüftzeitpunkt gut in den Griff bekommst.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Werte im Keller normal sind, warum falsches Lüften im Sommer alles schlimmer macht und wie du Feuchteschäden an der Bausubstanz vermeidest.
Die ideale Luftfeuchtigkeit im Keller
Ein Keller ist kühler als die Wohnräume darüber, deshalb liegt der akzeptable Bereich etwas höher: Für die meisten Keller gelten 50 bis 65 Prozent relative Luftfeuchtigkeit als normal. Wird ein Keller als Wohn- oder Hobbyraum genutzt, solltest du dich eher an den Wohnraum-Werten von 40 bis 60 Prozent orientieren.
Kritisch wird es, wenn die Feuchte dauerhaft über 65 bis 70 Prozent liegt oder sich sogar Kondenswasser an Wänden und kalten Rohren bildet. Dann steigt das Schimmelrisiko deutlich – höchste Zeit zu handeln.

Warum der Keller so feuchteanfällig ist
Im Keller treffen zwei Dinge zusammen: kühle Oberflächen und Feuchtigkeit. Sinkt die Temperatur einer Wand oder eines Rohrs unter den Taupunkt der Raumluft, fällt das Wasser aus der Luft aus und schlägt sich als feiner Film nieder – genau dort setzt sich Schimmel fest.
Wichtig ist, die Ursache richtig einzuordnen:
- Kondensationsfeuchte entsteht, wenn feuchte Luft auf kalte Flächen trifft. Sie lässt sich mit dem richtigen Lüften und gegebenenfalls einem Luftentfeuchter in den Griff bekommen.
- Aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit aus dem Erdreich – erkennbar an feuchten Wänden von unten, Salzausblühungen oder abplatzendem Putz – ist ein bauliches Problem. Hier helfen Lüften und Entfeuchter nur begrenzt; die Ursache muss ein Fachbetrieb beheben (z. B. durch Abdichtung).
Keller richtig lüften: auf den Zeitpunkt kommt es an
Die goldene Regel lautet: Lüfte nur, wenn die Außenluft trockener ist als die Kellerluft. Sonst holst du die Feuchtigkeit erst recht herein.
Das klingt kompliziert, ist aber im Alltag einfach:
- Im Sommer ist die warme Außenluft oft feuchter, als es der niedrige Prozentwert vermuten lässt – trifft sie auf die kühlen Kellerwände, kondensiert sie sofort. Deshalb im Sommer nur früh morgens oder spät abends kurz stoßlüften, wenn es draußen kühl ist. An schwülen, heißen Tagen den Keller besser geschlossen halten.
- Im Winter ist die kalte Luft meist sehr trocken – ideal zum Lüften. Lüfte kurz und kräftig, damit der Keller nicht zu stark auskühlt, und achte darauf, dass Wasserleitungen nicht einfrieren.
- Immer als Stoßlüften: Fenster (und möglichst gegenüberliegende Türen zum Querlüften) für einige Minuten weit öffnen statt dauerhaft kippen.
Am sichersten fährst du, wenn du innen und außen misst und die Werte vergleichst. Ein zweites Hygrometer draußen – oder ein Modell mit Außenfühler – zeigt dir auf einen Blick, ob sich das Lüften gerade lohnt. Die allgemeinen Grundlagen dazu findest du im Ratgeber Richtig lüften.
Wann ein Luftentfeuchter sinnvoll ist
Reicht Lüften nicht aus – etwa in einem schwer zu belüftenden Keller oder an feuchten Sommertagen –, hilft ein elektrischer Luftentfeuchter. Achte beim Kauf auf die Entfeuchtungsleistung (Liter pro Tag) passend zur Raumgröße und auf einen integrierten Hygrostat, der das Gerät automatisch bei Erreichen des Zielwerts abschaltet.
Ein praktischer Hinweis: In kühlen, unbeheizten Kellern arbeiten die verbreiteten Kondensationstrockner weniger effizient. Für niedrige Temperaturen sind Adsorptionstrockner die bessere Wahl.
Weitere Maßnahmen für einen trockenen Keller
Ein paar Gewohnheiten senken die Feuchtebelastung zusätzlich:
- Abstand zur Wand halten: Stell Regale und Kisten mit einigen Zentimetern Abstand zur Außenwand auf, damit die Luft zirkulieren kann.
- Kalte Rohre dämmen: Isolierte Wasserleitungen bilden kein Kondenswasser mehr.
- Keine Feuchtequellen schaffen: Wäsche zum Trocknen gehört nicht in einen schlecht belüfteten Keller.
- Kleine Wasserschäden sofort beheben: Feuchte Stellen trocknen lassen und die Ursache abstellen, bevor sich Schimmel bildet.
Ist bereits Schimmel entstanden, hilft Lüften allein nicht mehr. Wie du vorhandenen Befall sicher entfernst, liest du im Ratgeber Schimmel entfernen; die tieferliegenden Schimmel-Ursachen helfen dir, ihn dauerhaft loszuwerden. Welche Geräte sich zur laufenden Überwachung eignen, zeigt Hygrometer gegen Schimmel.

Häufige Fragen zur Luftfeuchtigkeit im Keller
Wie hoch darf die Luftfeuchtigkeit im Keller sein?
In den meisten Kellern gelten 50 bis 65 Prozent als normal. Wird der Keller bewohnt oder als Hobbyraum genutzt, sind eher 40 bis 60 Prozent ideal. Dauerhaft über 65 bis 70 Prozent oder sichtbares Kondenswasser bedeuten Handlungsbedarf.
Warum soll man den Keller im Sommer nicht tagsüber lüften?
Warme Sommerluft enthält viel Wasserdampf. Strömt sie in den kühlen Keller, kondensiert sie an den kalten Wänden – die Feuchtigkeit steigt statt zu sinken. Deshalb im Sommer nur früh morgens oder spät abends lüften, wenn die Außenluft kühl und trocken ist.
Wie erkenne ich, ob ich lüften sollte?
Miss die Luftfeuchtigkeit innen und außen. Ist die Außenluft trockener (und kühler) als die Kellerluft, lohnt sich das Lüften. Ein Hygrometer mit Außenfühler macht den Vergleich besonders einfach.
Hilft ein Luftentfeuchter dauerhaft gegen einen feuchten Keller?
Gegen Kondensationsfeuchte ja – als dauerhafte Unterstützung, wenn Lüften nicht ausreicht. Steigt die Feuchtigkeit dagegen aus dem Erdreich auf (feuchte Wände von unten, Salzränder), ist das ein bauliches Problem, das ein Fachbetrieb beheben muss.
Fazit
Die Luftfeuchtigkeit im Keller hältst du mit zwei Hebeln im Griff: regelmäßig messen und zum richtigen Zeitpunkt lüften – im Sommer nur bei kühler Außenluft, im Winter mit der trockenen Kaltluft. Halte 50 bis 65 Prozent ein, dämme kalte Rohre und schaffe Luftzirkulation hinter Möbeln. Reicht das nicht, senkt ein Luftentfeuchter die Feuchte zuverlässig. Steckt die Ursache im Mauerwerk, gehört sie in die Hände eines Fachbetriebs. Einen Überblick über alle Räume gibt der Ratgeber zur optimalen Luftfeuchtigkeit.